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Connemara Ponies

Willie Leahy

Connemara
Nach dem Unwetter

Willie führt
uns durch das Land

Bad für
Reiter und Pony

Connemara Ponies
kennen keine Ställe

Der Trail führt
oft durch knietiefes Wasser
Reiten in Connemara
Reiten am Strand

Im Galopp durch
die Brandung

Wanderreiten

Irish Music Session
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Es ist ein braunes Pony und hört auf den beunruhigenden Namen Flash
- Blitz.. Seine Mähne weht so wild wie die Brandungsgischt des Atlantiks,
und seine Augen schimmern dunkler als der Himmel über Connemara.
"Na komm doch
mal her" sage ich forsch und wedele mit dem Halfter. Flash bewegt
die Ohren und betrachtet mich aufmerksam. Ich locke mit einer Möhre.
Interessiert kommt das Pony herangetänzelt und nimmt sie behutsam
zwischen seine weichen Lippen . Ich fange an, mich albern zu benehmen.
"Mein Süßer", flüstere ich und drücke das Gesicht an seinen regennassen
Hals, "mein kleiner Liebling." Das Pony reibt den großen
Kopf an meiner Schulter und bläst mir seinen warmen Atem in den
Nacken. Ich bin verloren. Flash hat mich im Sturm erobert - in einem
Cuaifeach, dem Wirbelwind, den es nur in Connemara gibt.
Wahrscheinlich
haben Meteorologen eine einfache Erklärung für diesen tückischen
Tornado, der den äußersten Westen Irlands heimsucht. Doch Willie
Leahy meint, dass die kapriziösen Feen den Cuaifeach anzetteln.
Ich entschließe mich, Willie zu glauben. Schließlich bin ich sowieso
für eine Woche in seiner Hand.
Sechs Tage lang
wird der irische Pferdezüchter mit unserer Gruppe entlang der zerklüfteten
Küste Connemaras reiten, durch torfige Täler und ginklare Flüsse
galoppieren, über tabakbraune Moore, kahle Berge und grüne Weiden.
Sieben Stunden am Tag werden wir im Sattel hocken auf den rund 160
Kilometern des "Coast Trails" zwischen Ballyconneely im Westen der
Insel und der Galway Bay.
Geschickt kraxelt
Flash die Berge hoch und setzt seine Hufe zierlich zwischen die
schlüpfrigen Steine. Überall rauscht, sprudelt und plätschert Wasser,
schwere graue Wolken entladen sich in einem prasselnden Dauerregen.
Alles, was ich in diesen ersten fürchterlichen Stunden bis BalIynahinch
sehe, ist das wippende Hinterteil von Gucci, tief verschleiert von
einem Schweif schwarzer Haare. Modriger Torfgeruch steigt in die
Nase, unter den Helm dringt das schrille Klagen der Krähen. Ganz
unvermittelt, hoch oben auf der Bergkuppe, reißt der Himmel auf
wie ein Theatervorhang, und als sei sie ein Bühnenscheinwerfer,
beleuchtet die Sonne eine dramatische Naturkulisse: das Meer, ein
polierter blauer Aquamarin mit hineingestreuten Felsen.
In immer neuen
Wellen schieben sich die Klippen in den Atlantik, auf dem leicht
wie ein Korken ein kleines Fischerboot tanzt. Die Schieferflanken
der Hügel umarmen schwarze Seen, graue Steinmauern schlängeln sich
durch die fahlen Felder. Mit dem sicheren Instinkt eines irischen
Horseman hat Willie für jeden Reiter das passende Tier ausgesucht.
Routiniert fangen sich Sharon und Jill, die kalifornischen Freundinnen
ihre schnellen Ponys ein und streifen ihnen die Halfter über. Grimmig
mustert Jean, die pummelige New Yorker Anwältin, den Spaghetti-
Knoten aus Zaumzeug und Zügeln. den sie ihrem sanftmutigen Irischen
Hunter über den Kopf gezogen hat.
"Cheers", sagt
Onkel Buck, geflüchtet vor der tropischen Schwüle Floridas. und
schwenkt eine Whiskeyflasche. "Inschallah", antwortet der Schönheitschirurg
Peter, der ein Vermögen mit Nasenkorrekturen in Saudi-Arabien gemacht
hat, und zieht eine Flasche Bier aus seiner Jacke.
Wer sich je
dem Drill einer deutschen Reitschule unterworfen hat, genießt die
mangelnde Etikette und Willies Unbekümmertheit. Für den Iren ist
Reiten nicht die ernsthafteste Sache der Welt, sondern die lustigste.
Doch nur seine Erfahrung und Sorgfalt machen es möglich, dass Anfänger
und sehr gute Reiter sich eine Woche lang bestens vertragen.
Willies Trails
folgen einer bewährten Routine: Gegen zehn fangen die Gäste ihre
Pferde ein und satteln sie. Nach rund vier Stunden Reiten gibt es
Lunch, manchmal in einem Pub, meistens aber ein Picknick, herbeigeschafft
von der zwanzigjährigen Tochter Dorothy, mitten auf einer windumtosten
Wiese. Dann wird noch mal drei Stunden geritten, bis die Gäste nach
einem üppigen Dinner in die Betten der komfortablen altmodischen
Landhotels fallen.
Der irische
Westen wirkt nur auf den, der Zeit mitbringt. Wer die arme Provinz
mit dem Auto durchrast, wird lediglich eine spröde Mondlandschaft
vorbeiziehen sehen. Doch das Schritttempo schärft den Blick für
die Szenen am Wegesrand: der alte Mann, der gemächlich Torfbriketts
in die Tragekörbe seines Esels häuft. Ein Bauernkarren voller Milchkannen,
von einem müden Pferd gezogen. In den Türen der weißen Cottages
mit ihren bis auf den Boden gezogenen Reetdächern stehen rothaarige
Kinder mit flauschigen, kleinen Schäferhunden und betrachten ernst
die vorbeireitende Truppe.
Die Iren sind
pferdeverrückt: Ein Rennen ist für jeden Ladeninhaber ein guter
Grund, sein Geschäft zu schließen. Selbst im kleinsten Dorf gibt
es ein Wettbüro. Selbstverständlich stellen die Bauern ihren Traktor
aus, wenn ihnen ein Reiter entgegenkommt - Pferde haben Vorfahrt.
Nach zwei, drei
Tagen hat auch der ungeschickteste Anfänger das Traben gelernt.
Sanft federt die Sängerin Melissa die Pferdestöße ab. Joseph, der
Trickfilmzeichner aus Hollywood, hält den Blick nicht mehr ängstlich
auf Snowys Mähne gerichtet, sondern unterhält sich mit Simon, dem
Psychiater. Stolz legt Joan ihrem Pony mittlerweile selber das Halfter
um. "Gut so?" ruft sie stolz Willie zu, der das Werk seiner Schützlinge
inspiziert. "Richtig", nickt Willie beifällig. "Aber leider
das falsche Pferd."
"Ihr müsst warten
lernen", hatte Willie uns geduldig geantwortet, als wir missmutig
die öden Asphaltstraßen entlang trabten, die es auch in Irland gibt.
Die Belohnung kam in Cama -ein Nachmittag am -Strand. In vollem
Galopp donnern die Ponys auf dem weißen Sand durch knietiefe Brandung.
Die Mähnen flattern, die Nüstern blähen sich, und die Hufe spritzen
das Salzwasser auf. "Es ist Teil des irischen Unglücks, dass beinahe
alle Charaktere, die dem Leben Farbe und Attraktivität verleihen,
unter so großer Armut leben", schrieb der irische Dichter John Synge.
SO wohnt am Ufer des Meeres in Canna in einem baufälligen Cottage
der alte Paddy. Bei Flut spannt er sein Netz vor die Meerenge, und
bei Ebbe sammelt er die Fische, die sich darin gefangen haben. Wir
sind unschlüssig, ob wir Paddy bemitleiden oder beneiden sollen.
Was wir in Connemara so anziehend finden - seine wilde Melancholie,
seine Kargheit -, war für die hungernden Einheimischen immer wieder
Grund, ihre Heimat zu verlassen.
Der sechste,
der letzte Tag. Wir sind bei Mike eingeladen, dem halbblinden Akkordeonspieler.
Auf wackligen Stühlen sitzen wir in seiner Küche und schauen hinaus
auf die nassen, dampfenden Wiesen. Mike intoniert "When Irish Eyes
Are Smiling", und Joan, die coole Anwältin, versucht ein zittriges
Lächeln. Bei "I´ll take You Home, Kathleen" wischt sie sich eine
Träne aus dem Augenwinkel. Bei "Moon Over Galway Bay" fängt sie
hemmungslos an zu schluchzen. Und ein breites Grinsen flammt am
irischen Himmel auf - ein Regenbogen, so bunt, wie er nur in Connemara
leuchtet.
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